Jelabuga
Stadt
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| Liste der Städte in Russland | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Jelabuga (russisch Елабуга, tatarisch Алабуга) ist eine Stadt in der russischen Teilrepublik Tatarstan, gelegen am rechten Ufer des Flusses Kama. Sie liegt auf einer Fläche von 18,4 km² und ist das Zentrum des gleichnamigen Rajons. Die Einwohnerzahl beträgt 73.630 (Stand 2021).[2]
Geschichte
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Die Ursprünge Jelabugas liegen im 10. Jahrhundert, als der Khan Ibrahim I. ben Muhammad der Wolgabulgaren hier eine Grenzfestung errichteten; die Überreste der „Teufelsburg“ (tatarisch: Şaytan qalası, russisch Чёртово городище) genannten Bauten sind bis heute erhalten. Im 16. Jahrhundert wurde auf dem heutigen Stadtgebiet ein russisches Dorf gegründet.
Seit 1780 hat Jelabuga Stadtrechte.
In Jelabuga existierte bereits vor dem Ende der Schlacht um Stalingrad das sowjetische Kriegsgefangenenlager 97 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[3] Hier wurde die erste antifaschistische Offiziersgruppe unter Hauptmann Ernst Hadermann gebildet. Ab Februar 1943 wurden hauptsächlich deutsche Offiziere nach Jelabuga verbracht, zunächst die in Stalingrad in Gefangenschaft geratenen, später auch aus anderen Operationen der Roten Armee. Außer deutschen Kriegsgefangenen waren in Jelabuga auch Angehörige der Armeen mit Deutschland verbündeter Nationen interniert, so u. a. Rumänen, Italiener, Ungarn und Japaner. Es gab zwei NKWD-Hauptlager in der Stadt, Nr. 97A (Kamalager) und Nr. 97B (Klosterlager), sowie mehrere Nebenlager in den umliegenden Wäldern.
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1897 | 9.764 |
| 1939 | 14.963 |
| 1959 | 21.992 |
| 1970 | 31.728 |
| 1979 | 35.574 |
| 1989 | 53.537 |
| 2002 | 68.663 |
| 2010 | 70.728 |
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 1892 wirkte in Jelabuga der österreichische Chemiker Carl Josef Bayer auf der Suche nach Bauxit und ließ hier eine Aluminium-Fabrik errichten.
Jelabuga ist der Geburtsort des russischen Malers Iwan Schischkin, des Opernsängers Asat Abbassow, des Malers und Polarforschers Nikolai Pinegin, der Schriftstellerin Natalija Tolstaja sowie des Diplomaten Gennadi Gerassimow und des Kybernetikers Leonard Rastrigin. Die russische Lyrikerin Marina Zwetajewa verbrachte 1941 hier zusammen mit ihrem Sohn die letzten Tage ihres Lebens, bevor sie Suizid beging. In der Stadt gibt es ein Museum über das Leben der Schriftstellerin.
Im Januar 1944 verstarb in einem Gefangenenlager bei Jelabuga der durch seine Stalingradmadonna bekannt gewordene deutsche Arzt Kurt Reuber, der hier – kurz vor seinem Tode – für die Gefangenen-Zeitung eine Zweitfassung seiner Madonna, die sogenannte „Gefangenen-Madonna“ zeichnete.
Eine ganze Reihe der ab 1943 in Jelabuga kriegsgefangenen Offiziere haben nach ihrer Rückkehr publizistisch gewirkt und dabei auch ihre Erinnerungen aus Tatarstan und Stalingrad verarbeitet, darunter der deutsche Schriftsteller Otfried Preußler (Buch Krabat), der als italienischer Militärgeistlicher in sowjetische Gefangenschaft geratene Jesuit und Missionar Pietro Alagiani, Udo Giulini (später Mitglied des Deutschen Bundestages und IHK-Präsident), Wigand Wüster (Aquarelle zu Jelabuga und Stalingrad), Fritz Wöss (Buch Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken) und Klaus Sasse („Der Königsberger“, nahm heimlich mit einer Miniaturkamera Fotos im Lager auf).
Arbeiten von Otfried Preußler und Wigand Wüster befinden sich im Museum der Stadt Jelabuga.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sonderwirtschaftszone und internationale Ansiedlungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Norden der Stadt befindet sich die Sonderwirtschaftszone Jelabuga. In der Sonderwirtschaftszone befindet sich das Automobilwerk (siehe unten), ein Werk von De’Longhi, aber auch ein Werk zur Herstellung von Bodenbelägen der deutschen Knauf Gruppe. Zuvor gehörte das Werk zu Armstrong World Industries.[4] Mit Beginn des Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022 stoppten viele westliche Unternehmen ihre Produktion.[5]
Automobilindustrie
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2011 wurde ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Ford und Sollers zur Automobilherstellung gegründet. Ford hielt 49 % der Anteile, Sollers 51 %.In insgesamt drei Fabriken wurden die Modelle Focus, Mondeo, EcoSport, Fiesta, und Explorer bis 2019 für den russischen Markt produziert. Ab 2019 zog sich Ford weitestgehend aus der Autoproduktion in Russland zurück und Ford Sollers produzierte nur noch den Transit. Mit Beginn des Ukrainekrieges kündigte Ford das Joint Venture auf.[6] Ende 2022 verkaufte Ford schließlich seine Anteile am Joint Venture an den Partner Sollers. Ford behielt sich allerdings eine Rückkaufoption bei.[7] Das Automobilwerk stellte die Produktion auf Fahrzeuge der Marke Sollers um, die wie der dort produzierte Sollers SP7 häufig Lizenzbauten chinesischer Hersteller sind.
Rüstungsindustrie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Konzern OOO Albatross errichtete in der Sonderwirtschaftszone ein Werk zur Fertigung von Drohnen. Die Fertigungshallen hatten Ende 2023 laut Satellitenbildern eine Fläche von rund zehn Fußballfeldern.[8] Im Sommer 2025 wurde mit Berufung auf ukrainische Geheimdienstkreise berichtet, dass vermutlich bis zu 50.000 Arbeiter, darunter bis zu 25.000 aus Nordkorea, dort eingesetzt waren.[9][10] Laut Foundation for Defense of Democracies und ukrainischer Medien gibt es ein Programm zur Anwerbung junger Frauen aus Brasilien. Das Programm verspricht den Frauen Bildung, bezahlte Arbeit und kulturellen Austausch. Im Gegenzug bekommen die Fabriken kostengünstige Arbeitskräfte. Die Arbeitsbedingungen werden als ausbeuterisch beschrieben.[11] Laut einem Hintergrundbericht des Deutschlandfunks existiert ein ähnliches Programm auch für Menschen aus Afrika.[12]
Jelabuga werde nach Ausbau der Produktion „zum wohl größten Unternehmen des russischen militärisch-industriellen Komplexes.“ Stand Mai 2025 wurden vermutlich monatlich rund 2700 Shahed-136/Geranium-2-Drohnen und rund 2500 Köder-Drohnen vom Typ Gerbera produziert.[10][13]
Städtepartnerschaften
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Safranbolu, Türkei
Alexin, Russland
Berjosowski, Russland
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Walter Berger: Gefangen in fremdem Land: So erlebte ich den Zweiten Weltkrieg und die russische Kriegsgefangenschaft. 2005.
- Otto Rühle: Genesung in Jelabuga. 1967.
- Klaus Sasse: Bilder aus russischer Kriegsgefangenschaft: Erinnerungen und Fotos aus Jelabuga und anderen sowjetischen Lagern 1945–1949. 2007.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eintrag auf mojgorod.ru (russisch)
Fußnoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
- ↑ Wayback Machine. Archiviert vom am 31. März 2025; abgerufen am 5. September 2025.
- ↑ Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
- ↑ Knauf übernimmt Armstrong-Werk in Tatarstan, auf www.owc.de ( des vom 29. Juli 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 29. Juli 2018.
- ↑ Diese Konzerne ziehen sich aus Russland zurück. In: tagesschau.de. Abgerufen am 3. März 2022.
- ↑ Kalea Hall: Ford suspends joint-venture operation in Russia. Abgerufen am 13. August 2026 (englisch).
- ↑ Sebastien Bell: Ford Exits Russia, Sells All Assets After Seven Month Hiatus. 26. Oktober 2022, abgerufen am 13. August 2026 (englisch).
- ↑ WiWo.de, 16. Dezember 2023: Hier baut Russland seine Drohnenproduktion aus – mit iranischer Hilfe (Autoren: Artur Lebedew und Thomas Stölzel).
- ↑ Lars Lange: Ukraine-Krieg: Nordkoreanische Arbeiter revolutionieren russische Drohnenproduktion. In: bb. cc, 30. Juni 2025, abgerufen am 1. Juli 2025.
- 1 2 Lars Lange: Alabuga sticht Pentagon aus: Russlands Drohnen-Gigafabrik schockt den Westen. Telepolis, 21. August 2025, abgerufen am 5. September 2025.
- ↑ Reagan Easter: Russia Lures Young Migrant Women from Latin America to Build Drones. In: FDD. 6. August 2025, abgerufen am 7. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Bettina Rühl: Falsche Versprechen / Wie Russland Menschen aus Afrika für den Krieg rekrutiert. In: DLF Hintergrund. 22. Januar 2026, abgerufen am 22. Januar 2026.
- ↑ siehe auch FAZ 28. September 2025: Putins jugendliche Drohnenbauer


