Leichtbenzin
| Leichtbenzin | ||||||||||
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| Siedeverläufe von ErdÜl qualitativ | ||||||||||
| Andere Namen |
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| Handelsnamen |
Exxsolâ˘, Hydrosol, Total Solane, Exxon Isoparâ˘, | |||||||||
| Kurzbeschreibung | farbloser, sehr leicht flĂźchtiger[5] Ottokraftstoff der Jahrhundertwende bis 1920er-Jahre, Super-Flugkraftstoff im Ersten Weltkrieg, seit 1850er-Jahre Reinigungsmittel und Fleckentferner[6] | |||||||||
| Herkunft |
fossil | |||||||||
| CAS-Nummer |
64742-49-0; 8032-32-4 Ligroin; 8030-30-6 | |||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||
| Aggregatzustand | flĂźssig | |||||||||
| Dichte |
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| Oktanzahl |
etwa 70â88 ROZ | |||||||||
| Siedebereich |
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| Sicherheitshinweise | ||||||||||
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| UN-Nummer |
3295 | |||||||||
| Gefahrnummer |
33/30 (abhängig vom Dampfdruck) | |||||||||
| Soweit mÜglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | ||||||||||
Leichtbenzin ist eine farblose und leicht brennbare FlĂźssigkeit mit mildem Geruch, die schnell verdunstet. Es ist eine komplexe Kombination von leichtentzĂźndlichen Kohlenwasserstoffen, hauptsächlich C5âC7 (Pentan, Hexan, Heptan) aus der fraktionierten Destillation von ErdĂśl. Butan und Oktan kĂśnnen auch enthalten sein. Je nach Definition siedet diese Kombination im Bereich bis etwa 90 °C oder 100 °C. Zur unteren Siedegrenze gibt es in der Literatur ebenfalls voneinander abweichende Angaben. Gelegentlich wird 25 °C oder 35 °C angegeben, was die Petroletherfraktion mit einschlieĂt, andere Stellen geben ca. 70 °C als untere Siedegrenze an.[5][7][8] Gemäà DIN 51630 sind Petrolether Spezialbenzine mit Siedepunkt 25â80 °C.
Leichtbenzine sind z. B. Petrolether (C5, C6, Sdp. 30â70 °C), Ligroin (C6, C7, Sdp. 60â100 °C), Siedegrenzbenzin DIN 51631 Typ I 60/95, FAM Normalbenzin (Fachausschuss fĂźr Mineral- und Brennstoffnormung; Analysebenzin) DIN 51635 60/95 sowie weitere unter 100 °C siedende Mischungen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten Raffinerien, die im 19. Jahrhundert entstanden, stellten aus ErdÜl Petroleum her, welches als LampenÜl Verwendung fand. Ein Abfallprodukt war dabei eine Flßssigkeit, die sich schon bei relativ niedriger Temperatur verflßchtigte, jedoch hatte man zunächst wenig Verwendung fßr sie. Seit 1850 wurden Leichtbenzine fßr die chemische Reinigung verwendet, deswegen ist Leichtbenzin auch unter dem Namen Wasch- oder Fleckenbenzin bekannt. Unter diesen Bezeichnungen wurde es in kleinen Mengen auch in Drogerien, Kaufläden oder Apotheken verkauft. Leichtbenzine verwendete man Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem bei der Erzeugung des sogenannten Luftgases fßr Beleuchtungszwecke in den sogenannten Luftgasapparaten.
In der Entwicklung der Ottokraftstoffe Ăźbernahmen die Leichtbenzine eine wichtige Rolle, da die zu Anfang des 20. Jahrhunderts verwendeten Oberflächenvergaser mit dem leichtflĂźchtigen Leichtbenzin zĂźndfähige Gemische bilden konnten.[9] Die frĂźheste Verwendung von Ottokraftstoffen im Fahrzeug ist die Beschreibung von Leichtbenzin in der Patentschrift zum Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1886 als âleichtflĂźchtiges Oelâ. Dies konnte das dort namentlich genannte Ligroin oder z. B. ein damals erhältliches Gasolin sein.[10] 1888 wurde der Apotheker der Wieslocher Stadt-Apotheke zum âersten Tankwart der Weltâ, als er Bertha Benz Ligroin zur VerfĂźgung stellte. Der Name Ligroin wird im Englischen immer noch verwendet, der Begriff Gasoline fĂźr Benzin wird noch in vielen spanisch- und portugiesischsprachigen (gasolina) sowie englischsprachigen Ländern (neben petrol) genutzt und hier häufig zu gas abgekĂźrzt. Mit der EinfĂźhrung der Vakuumdestillation 1904 stand Leichtbenzin in zunehmenden Mengen zur VerfĂźgung und verbilligte sich ganz entscheidend;[6] im Ersten Weltkrieg wurde Leichtbenzin als Flugkraftstoff verwendet.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Leichtbenzine werden als Reinigungs-, Entfettungs- oder Extraktionsmittel verwendet, in der Klebstoff- und Lackherstellung sowie als Chemierohstoff. Leichtbenzine sind auch Mischungsbestandteil in Ottokraftstoffen.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Joachim Kleinmanns: Super, voll! Kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas, Marburg 2002, ISBN 3-89445-297-8.
- Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Ăl. Die MineralĂślwirtschaft in Deutschland 1859â1974. C. H. Beck, MĂźnchen 2003, ISBN 3-406-50276-8.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â JĂźrgen Falbe, Manfred Regitz: RĂMPP Lexikon Chemie. Band 4: MâPk, 10. Auflage, Georg Thieme Verlag, 1998, ISBN 3-13-734910-9.
- â W. Bleyberg, G. Meyerheim, W. Bachmann, J. Davidsohn, F. Frank, F. Fritz, J. Herzenberg, L. Jablonski, H. Kantorowicz, H. P. Kaufmann, E. L. Lederer, P. Levy, I. LifschĂźtz, H. Lindemann, H. Mallison: KohlenwasserstoffĂśle und Fette. 7. Auflage, Springer-Verlag, 1933, ISBN 978-3-642-89045-1, S. 179.
- â W. Bertelsmann, F. Schuster: EinfĂźhrung in die technische Behandlung gasfĂśrmiger Stoffe. Springer-Verlag, 1930, ISBN 978-3-642-89449-7, S. 154.
- â David Holde (Hrsg.): KohlenwasserstoffĂśle und Fette sowie die ihnen chemisch und technisch nahestehenden Stoffe. 6. Auflage. Springer-Verlag, 1924, ISBN 978-3-642-89873-0, S. 123, 124.
- 1 2 3 4 Eintrag zu Benzin, leicht in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 28. Januar 2024. (JavaScript erforderlich)
- 1 2 Patrick Masius: Umweltgeschichte und Umweltzukunft: Universitätsverlag GÜttingen, 2009, ISBN 978-3-940344-69-4, S. 118.
- 1 2 Alkane (PDF; 368 kB) abgerufen am 23. März 2016.
- â Adalbert Wollrab: Organische Chemie: Eine EinfĂźhrung fĂźr Lehramts- und Nebenfachstudenten. Springer-Verlag, 2014, ISBN 978-3-642-45144-7, S. 277.
- â Leichtbenzin auf motorlexikon.de, abgerufen am 23. März 2016.
- â Deutscher Verein von Gas- und Wasserfachmännern: Journal fĂźr Gasbeleuchtung und verwandte Beleuchtungsarten. Rud. Oldenbourg, 1873, S. 55.
