Bergsattel

Ein Bergsattel[1] (auch: Einsatellung[1], kurz: Sattel[1]) ist der Bereich um den tiefsten Punkt auf der Kammlinie zwischen zwei topographischen Erhebungen. Von einem Bergsattel wird insbesondere dann gesprochen, wenn seine geometrische Ausprägung der einer idealen Sattelfläche nahe kommt. Ein teilsynonymer Begriff ist der des Jochs. Bei einem scharfen Einschnitt in die Kammlinie wird stattdessen häufig von einer Scharte gesprochen. Über einen Bergsattel oder seine nähere Umgebung kann über einen Gebirgspass die Querung des Kamms möglich sein.
Geomorphologie
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Der Begriff Bergsattel leitet sich wegen der vergleichbaren Ausformung von Reitsattel ab. In der Sattelfläche verlaufen sowohl die Kammlinie als auch der Talweg durch die Horizontale, das heißt, Kamm- und Tallinie sind lokal U-förmig (letztere kopfstehend). Mathematisch exakt formuliert sind im Sattelpunkt die Flächennormale der Tangentialebene vertikal und die Hauptkrümmungen ungleichen Vorzeichens. Diese Geometrie wurde auch als grundlegendes Landschaftselement in die Allgemeinsprache sowie auch als Reliefelement in die Fachsprache übernommen.[2]
Der Sattel ist neben der Scharte eine der beiden grundsätzlichen Passformen;[2] bei letzterer (zur Scharte in der Klinge) ist die Tallinie (umgekehrt) V-förmig, das heißt, es gibt keine ebene Fläche im tiefsten Punkt der Kammlinie (vgl. die Abgrenzung von Rücken und Grat innerhalb des Begriffes Kamm).[3] Von „Sattel“ und „Scharte“ spricht man bei der Beschreibung der Oberflächengestalt, das Wort „Pass“ (zu lateinisch passus ‚Schritt‘, ‚Bergübergang‘) vermeidet man diesbezüglich insofern, weil nicht jeder Pass wegbar ist und verkehrstechnisch die eigentliche Passhöhe nicht über den tiefsten Punkt laufen muss. Sonst werden Sattel und Scharte manchmal auch als jeweiliger Oberbegriff zueinander verwendet, so spricht man auch im Bezug zu einem Sattel von Schartenhöhe. Auf kleinster Skala betrachtet, haben selbst Scharten außer in extremem Felsgelände einen (geometrisch) ebenen Sattelpunkt, womit man auch Einsattelung als Oberbegriff verwenden kann. Landschaftlich ist ein Sattel allgemein als flacher zu sehen als eine Scharte, mit fließender Abgrenzung je nach regionaler Häufigkeit.[4][5] Gegenüber der Scharte impliziert „Sattel“ als Wort auch den weitergefassten Begriff der die eigentliche Passhöhe umgebenden Passlandschaft.[4]
Sattel und Scharte sind die häufigsten Ausformungen. Ist die Kammlinie V-förmig, spricht man von Einkerbung (vgl. Kerbtal) oder ebenfalls von Scharte (Grat-, Kammeinschartung). Diese Form tritt nur in härterem Fels auf, sonst rundet die Erosion den Sattelpunkt meist zumindest kleinräumig aus. Daneben gibt es zahlreiche Misch- und Sonderformen.
Orographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kammlinie, auf welcher der Bergsattel liegt, ist per se immer auch eine Wasserscheide.
Namenkunde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sattel kommt von althochdeutsch satul.[6] Es ist sicherlich germanischer Herkunft (englisch saddle) und steht bedeutungsmäßig in Nähe zu lateinisch sedes ‚Sitz‘, deutsch Sessel.[6] Das Wort könnte eine frühe Entlehnung aus einer anderen indogermanischen Sprache sein,[6] es findet sich auch lateinisch sedile oder slawisch sedlo – als Toponym ebenfalls lebendig. Jedenfalls ist die Bedeutung schon früh auf den Reitsattel eingeschränkt[6] und damit verbleibt ihm die übertragene Bedeutung des Gerundet-Sattelförmigen in Abgrenzung zu anderen ähnlichen Formen.
In weitgehend ebenen und mittelgebirgigen Landschaften wird der von einem Pass genommene Geländeeinschnitt im Allgemeinen über den Namensbestandteil -sattel bezeichnet, während im Hochgebirge für fahrbare Pässe selten auch -scharte vorkommt.[7] Eine Unterscheidung in Pässe namens -sattel und -scharte findet sich regional, wo vornehmlich beide Grundformen auftreten und andere Passnamen (wie Pass, Joch, Törl, Gscheid usf.) fehlen.
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Schreiberesattel im Bregenzerwaldgebirge von Süden aus gesehen. Rechts davon der Luguntenkopf.
- Marchsattel in den Allgäuer Alpen von Westen aus gesehen. Rechts davon die Krottenspitze.
- Kirchendachsattel in den Allgäuer Alpen von Westen aus mit Blick über den Schrecksee gesehen. Rechts davon das Kirchendach.
- Unterer Hornsattel in der Glatthorngruppe von Osten aus gesehen. Rechts davon das Damülser Horn.
- Auenfeldsattel im Lechquellengebirge von Norden aus gesehen.
- Fallenbacher Joch in den Lechtaler Alpen von Westen aus gesehen.
- Schönbergjoch in den Allgäuer Alpen von Süden aus gesehen. Der Sattel wird vom Riedbergpass überstiegen.
- Häfner Joch in den Allgäuer Alpen von Osten aus gesehen. Links davon die Güntlespitze. Rechts davon die Üntschenspitze.
- Ochsenhofer Scharte in den Allgäuer Alpen von Osten aus gesehen. Dahinter das Grünhorn und ganz rechts im Bild das Steinmandl. Trotz der Bezeichnung als Scharte im Namen ist der Kammeinschnitt nicht V-förmig, sondern hat die U-Form eines Sattels. Darüber hinaus ist der beiderseits über Bergwege erschlossen und dadurch als Pass nutzbar.
- Hellscharte in den Allgäuer Alpen von Südwesten aus gesehen. Links davon das Rauheck. Rechts davon der Muttekopf. Trotz der Bezeichnung als Scharte im Namen ist der Kammeinschnitt nicht V-förmig, sondern hat die U-Form eines Sattels.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Walther Flaig: Lechquellengebirge. Alpenvereinsführer. München: Bergverlag Rudolf Rother, 1. Auflage, 1977 - ISBN 3-7633-1230-7, S. 19.
- 1 2 Vergl. etwa Herbert Louis, Klaus Fischer: Allgemeine Geomorphologie. Band 2 Bilderteil. 4. Auflage. Verlag Walter de Gruyter, 1979, ISBN 978-3-11-007103-0 (Reihe Lehrbuch der allgemeinen Geographie, Erich Obst, ISSN 0458-9815), Bild 125 Transfluenzpaß und Karterrasse in den Radstätter Tauern, Ostalpen. S. 127 f (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche) – Bilder typischer Gletschersättel auch vorher und nachher.
- ↑ Geländeformen. (PDF) alpenverein.at, OeAV Schulungsunterlage, S. 2.
- 1 2 Otto Lanser: Paß-Bezeichnungen in den Alpen. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. 31, 1951, Sattel. S. 493 f. Scharte. S. 495 (zobodat.at [PDF], ganzer Artikel S. 493–500, dort S. 1 resp. 3).
- ↑ Pass, Joch oder Sattel? SRF Wissen, 13. März 2014 (abgerufen am 9. Juni 2015).
- 1 2 3 4 sattel, m. ephippium. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 14: R–Schiefe – (VIII). S. Hirzel, Leipzig 1893, Sp. 1820 (woerterbuchnetz.de).
- ↑ „Scharte“ für fahrbare Pässe ist selten. Lanser 1951 nennt die Arlscharte und die Sölkscharte.